Welten als Schöpfungen beider lehrten . Ohne dass es sich aus aussagen bestimmt beweisen liesse , scheint doch der Dualismus der templerischen Geheimlehre am nächsten verwandt gewesen zu sein mit dem der thracischen Bognmilen . ■ ) Denn auch für die Tempelherren war allein der untere als Schöpfer der Materie und des Bösen gedachte Gott dem Menschen zugänglich , aber er steht mit dem oberen Gotte , welcher den Sterblichen völlig unnahbar ist , nicht in Feindschaft und Streit ; das ist ebenso bei den Bogomilen , und vielleicht darf man eben deshalb sich das Verhältniss der beiden Gottheiten bei den Tempelherren denn auch im Einzelnen so ausgeführt denken , wie wir es bei den Hogomilen linden . 3 ) Diese nämlich sehen in dem unteren Gotte des oberen Gottes ältesten Sohn . » ) »Mit dem Vater zerfallen , ist derselbe aus dem Himmel verjagt ; da schafft er sich die Erde und den Menschen ; unfähig jedoch , dieselben zu beleben , muss er sich dazu seines Vaters Hilfe erbitten ; dieselbe wird ihm denn auch gewährt , wie überhaupt der obere Gott alle Zeit eine heime Neigung und zärtliche Vorliebe für den seiner Rechte verlustig gegangenen Erstgeborenen bewahrt und zwischen beiden ein freundlicher Verkehr stattfindet .
Hat es also eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich , dass die herren den als Grundlage ihrer Lehre erkennbaren Dualismus in einer dem bogomilischen Dogma ähnlichen Gestalt weiter durch - und ausführten , so ist doch ein Punkt deutlich erkennbar , in welchem dieselben ihre Lehre wesentlich abweichend von diesem Vorbilde gestaltet haben . Wie nämlich fast alle Katharer , 4 ) so sind auch die Bogomilen Doketistcn gewesen , d . h . sie haben eine scheinbare Menschwerdung Christi gelten lassen , ein die menschlichen Sinne täuschendes Erscheinen des Heilandes in Menschengestalt angenommen , was bei ihnen auch wohl in der Form vorkommt , duss sie vou dem „ Mensch gewordenen Jesus " als dem zweiten , jüngeren Sohn Gottes sprechen . Dio Tempelherren gingen , wie etliche Aeusserungen erkennen lassen , darin viel weiter . Auch nur von einem scheinbaren Menschgewordensein Jesu ist bei ihnen nicht mehr die Rede , wie ja allerdings eine solche Vorstellung eine Subtilität des Denkens und eine Neigung zu philosophischer Speculation voraussetzt , wie
/ 1 ) Deren System entwickelt C . Schmidt a . a . O . II , 51 ff .
- ) S . Loiselcur 49 ff .
3 ) Mit Recht betont Loiseleur die S . ¿4 angeführte Aussage , nach der Christus für zu jung galt , um göttlich verehrt zu werden .
4 ) In Betreff der Alhigenser a . II ahn , Geschichte der Ketzer iui alter I , 1J>7 .