Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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nuf gleichem Principe beruhenden Hiiresien jener Zeit1) ihren bestimmten
I'lntz anzuweisen. Danach steht zunächst fest, dass der unter so befremd-
lichen Ceremonial begangene Cul tus der Ritter nicht dem oberen
Gotte, dem Schöpfer des Geistes und des Guten, galt, sondern
dem unteren Gott, von dem dio Materie und das Hösc ihren
Ursprung ableiteten. Denn jenen dachte man sich dem Menschen
unnahbar, dem menschlichen Fassungsvermögen durchaus unzugänglich.s)
Hält man das fest, so verlieren auch die sonst so stark betonten Differenzen
ihre scheinbare Bedeutung, die zwischen den Aussagen über die dem Orden
schuldgegebene Verehrung eines Idols, eines Götzenbildes, obwalten.
In dem Verhör von Carcassonne sagt Rao il 1 de Gysi,1) das bei den
geheimen Zusammenkünften der Ordensglieder abgöttisch verehrte Idol,
vor dem man sich entblössten Hauptes zur Erde niederwarf, sei eine
schreckliche, dem Teufel ähnliche Figur gewesen, was man französisch
„un ma ufe" nenne. Ma ufe aber bedeutet in dem Französisch jener Zeit
nichts Anderes als eben einen bösen Dämon, einen Teufei.•) Dem ent-
sprechend bezeichnet denn auch Pierre de Moncade das Idol geradezu
als einen „höllischen Teufel14.4) Nun verband man freilich mit diesem
„Teofel" eine wesentlich andere Vorstellung, als naeh dem Sprachgebrauche
einer späteren Zeit und nach dem unseren damit verbunden zu werden pflegt.
Dieser Dämon, welchen die Tempelherren unter dem Hilde eines Kopfes
zu verehren pflegten, ist nicht etwa die Verkörperung des bösen
Princips, daher auch nicht ein Feind Gottes und des von ihm ge-
schaffenen und gewollten Guten, er steht nicht in einem unversöhnlichen
Gegensatz zu dem oberen Gott, sondern ist zunächst eben nur ein unterer
Gott, ein Gott niederen Ranges, mit geringen, man könnte sagen
mehr irdischen Kräften, daher auch mit einem niederen, irdischeren,
1) Vgl. über diese im Allgemeinen Gh. U. Hahn, Geschichte der Ketzer im
Mittelalter. 3 lide. Stuttgart 1845—50 und G. Schmidt, Histoire et doctriue de
la secte des Cathares mi Albigeois, l'aris und Genf 1849. 2 Ilde.
2) Vgl. die eben angeführte Stelle Michelet I, 213: et quod dominus uoster
erat in ce Iis. — Man vgl. auch die höchst charakteristische Stelle in dem früher
(S. 24) besprochenen Sirvente eines Tempelherrn. Raytiouard, l'oêsies des trou-
badours IV, 18&: Dieu a donc juré de ne laisser vivre aucun chrétien.--Et
puisque «on fils, qui devrait s'y opposer, le trouve bon etc.
3) Raynouard 290. Dupuy I, 87.
4) S. Loiseleur 37, der auf Roquefort, Glossairu de la langue Romane s.
v. Maufais verweist.
5) Michelet II, 4ti2: credit, quod ydolum uil sit aliud nisi diabolus infer-
nali«.