Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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hier.*1) Dasselbe hören wir noch von etlichen anderen Zeugen; mich
„Glaubt nicht an Jesus, .sondern allein an den oberen Gott11 wird den
neu Aufgenommenen gesagt.*) Hinein andern gegenüber wurde die Fassung
gebraucht: „Macht kein grosses Aufsehen von diesem, weil er zu jung
ist."») Jean de l'ont d'Evôque wurde, so erzählt er.4) bei der Aufnahme
ein Crucifix gezeigt mit der Frage, ob er dies Bild eines Gekreuzigten fir
Gott hielte? Vorsichtig habe er geantwortet, nein, das sei nicht Gott,
sondern nur ein Bild Gottes am Kreuz; darauf sagte ihm der Receptor:
das sei nicht Gott, sondern ein falscher Prophet, und hiess ihn denselben
verleugnen. Diese Grundlehre der templerischen Häresie ist natürlich je
nach der Individualität des in sie Eingeweihten in der verschiedensten Art
variirt, mehr oder minder derb und rücksichtslos gefasst worden, je nach
der Persönlichkeit, mit welcher derselbe über diesen heiklen Punkt sprach.
Ein in dem englischen Process verhörter Zeuge hat von einem in den
Händen eines Tempelherrn befindlichen Schriftstück Kunde erhalten, in
welchem über Christus gesagt war, er sei nicht der Sohn Gottes und nicht
von einer Jungfrau geboren, sondern aus dem Samen Josephs, des Mannes
der Maria, nach allgemein menschlicher Weise empfangen, sei nicht ein
wahrer, sondern ein falscher Prophet und nicht um der Erlösung des
Menschengeschlechts willen, sondern für seine eigenen Vergebungen au das
Kreuz geschlagen worden.1) Ein anderer hat einen Ordeiisritter un-
zähligemal sagen hören, Jesus Christus sei weder wahrer Gott noch
wahrer Mensch, und das kleinste Haar aus dem Hart einesSaraceneu sei daher
mehr werth als der ganze Körper de» Redenden. •) Als ein englischer
Tempelherr von Armen um ein Almosen angesprochen wurde „um Gottes
nnd der Jungfrau Maria willen", soll er dieselben barsch angefahren haben:
1) Kbendas. 384. Kt tune dictus recipieus dixit sibi: .Tu male credi», quia
qu'idem fai sus prophet» eat; creda» solumntodo in deum celi et non in isiuni."
2) Loiscleur 36.
3) Michelet 11,38-1: Non faciali* magnani vim de ¡sto, quia nimis ¡uveitis est.
4) Michelet II, 31.
5) C one il. Brit. V, 358. Vgl. die Aussage in dem toscanischen Processe bei
Loiscleur 173: quod magister et certi fralres, qui eraut ultra mare, qui vdoluiu
adoraban!, diiebant, Christum falsutu fuisse prophetam et ipsunt non
fuisse pussuiu pro salute humani generis. — Guido miles Deiphini
(Wilcke II, '¿35 „W'tlb. l'rinz von Auvergne''?!) Michelet I, 415 ft", ist erst
nach den Statuten von 1128 aufgenommen, dann hinter dem Aliar aufgefordert,
.quod abnegare! ab pro pli e ta," thut es, da er damit den Teufel gemeint glaubt
(1. c. 417).
li) Michelet II, 380.