Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
VI.
Dnss der Tempelherren-Orden ketzerischen Lehren huldigte, war noch
niclit das Schlimmste, was ihm vorgeworfen werden konnte. Diese
Tliatsache gewann doch eine so ausserordentlich hohe Bedeutung o


dadurch, dass man sicli im Orden der Abweichung von den Lehren dt
Kirche jeder Zeit bewusst war, aber nach Möglichkeit den Schein z
wahren suchte und für gut katholisch gehalten sein wollte. Diese "5—
Widerspruch war es denn auch, unter dem die feinfühligeren Naturen
aber ebenso auch die naiveren besonders zu leiden hatten, indem sie sie
desselben jeden Augenblick in dem Grade bewusst waren, dass sie ih
Gewissen beunruhigt, ihr Inneres unfrei und von einem fortwährenden
Schuldbewusstscin gedrückt fühlten. Dieses Schuldbewußtsein ist denn
auch vielfach zum Ausdruck gekommen, nicht bloss während des Pro-
cesses, sondern auch schon früher durch manche nicht misszuverstehende
klagende Andeutung. In England — um nur ein paar charakteristische
Beispiele anzuführen — sagte ein Tempelherr einem Jünglinge, der mit
ihm seine Absicht zum Eintritt in den Orden besprach, „solch ein Vor-
haben möge er den bösen Geistern überlassentt;') mit Seufzen
warnt ein anderer vor dem Anschluss an die Gemeinschaft, deren Abzeichen
er selbst an sich trägt, und meint, wer in dieselbe sich einlasse, dem werde
es übel ergehen;5) auf den Widerspruch zwischen dem trügerischen äusseren
Schein und dem ganz anders gearteten Innern weist ein Dritter verstand-

lieh genug hin.1) Zahlreich sind diu Zeugnisse, aus denen hervorgeht,
/Jf.
1) Concil. Brit. II, KG3: „Dimittatis istam petitionem daemonibus" etc.
2) K benda?. Si intraveda ordineni nostrum, mala tibi evenient.
3) Ebendas. Tu vides no» exteriu«, sed non intcrius. Diesen Widerspruch
betont auch I*. Clemens V. in der «lie Verhaftung der Templer Siciliens nnordiieude.ii
Bulle bei Dupuy I, 194: videlicet quod Templarii sub religioni* pallio militantes i
cxterius, in apostasiae perlldiu intus vixemnt huctenus.