Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
Und selbst, als die Snche gegen des Papstes Willen und wider des Ordens
Erwartung eine etwas ernstlichere Wendung zu nehmen begann, ist den
Tempelherren wie überall, so namentlich auch gerade in Frankreich Zeit
genug geblieben, um alles au« dem Wege zu schaffen, was, wenn es in
die Hände der Iuquirenten fiel, sie compromittiren konnte. Und von
allem, was als zu beseitigen gelten konnte, waren ja die Handschriften
mit den Geheimstatuten nicht bloss dasjenige, was dem Orden, wurde es
entdeckt, am allerverhäugniMVoIlsten werden musate, sondern auch das-
jenige, was sich am leichtesten, am schnellsten und durchaus spurlos aus
dem Wege schaffet! liess. Wenn es den Tempelherren gelungen war, die
bei ihren geheimen Zusammenkünften abgöttischer Verehrung gewürdigten
Idolköpfe, deren ohne Frage jedes bedeutendere Ordenshaus mindestens
einen besessen hat. selbst in Frankreich so schnell, sicher und vollständig
zu beseitigen, dass nur ein einziges Exemplar dieser arg compromittirenden
Gerätschaften in die Ilände der königlichen Commissarien liei,') wie
sollten sie nicht die sämmtlichen Exemplare der Geheimstatuten, die sich
obenein noch ohne Zweifel in den Händen der allerzuverlässigsten Brüder
befanden,*) im Augenblicke der Gefahr spurlos verschwinden zu lassen
im Stande gewesen sein?
So wird denn nach unserer Auffassung die grosse Menge von Stellen,
in denen die Zeugen unverkennbar auf ein geheimes Ordensstatut hin-
weisen, dadurch nicht im Geringsten in ihrer Glaubwürdigkeit alterirt,
dass die Geheimstatuten in dem Processe selbst nirgends zu Tage gekommen
sind. Oder sollten sie doch auf irgend eine Weise den päpstlichen Com-
missarien bekannt geworden sein, und sollte die Curie, um uicht noch
schwereres Aergerniss zu geben, sie unterdrückt und in ihrem Archiv be-
graben haben?1) Auch diese Annahme ist, wie sich weiterhin zeigen
wird, gegenüber demjenigen, was uns über den Iiihalt der im vaticanischen
Geheimarchive vorhandenen Aktenstücke des Processes glaubwürdig be-
kannt ist, als jeden Ilückhnlt» entbehrend, durchaus nicht zulässig. —
1) Vgl. Loiscleur 103.
'¿) Vgl. oben S. 4C.
ü) VgL oben S. 89.