Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
geschriebenen Weise in den Orden aufgenommen zu sein und erst zwei
Jnhre danach unter den anstössigen Ceremouien eine Art zweiter Weihe
empfangen zu haben. ') Danach würde man also annehmen dürfen, dass
hier und da die Ordeusconrente in einen exoterischen und esoterischen
Kreis geschieden gewesen seien, *) dass man die Vorstufe erreicht und sieh
in ihr bewährt haben musste, um in den engern Kreis der in das Ge-
heimniss der templerischen Ketzerei Eingeweihten aufgenommen zu werden.
Mag das iu einzelnen Conventen so gehandhabt sein, ein in dem ganzen
Orden oder auch nur dem grösseren Theile desselben gleichmässig geübtes
Verfahren darf man sicherlich darin nicht sehen. Das Gewöhnliche
scheint gewesen zu sein, dass der eben nach der Kegel von 1128 Auf-
genommene abseits geführt und zur Verleugnung Christi und Bespeiung
des Kreuzes angehalten wurde.3) Auch ist kein Gewicht zu legen auf
die vereinzelt vorkommenden Zeugenaussagen, welche die Verleugnung
Christi und die Verhöhnung des Kreuzes um die ihr von den Anklägern
— mit Recht — beigelegte Bedeutung bringen wollen, indem die Einen
darin nichts sehen wollen, als eine eigentümliche Form der Prüfung
des Aufzunehmenden, von dem man sich versichern will, dass er im l'alle
der Kriegsgefangenschaft bei den Saracenen sich nicht durch Drohungen
werde zum Renegateuthum bringen lassen,«) während die Anderen darin
eine Probe des neuen Ritters in Bezug auf die Bedingungslosigkeit seines
eben gelobten Gehorsams sehen wollen.1) Noch weniger glücklich ist
die Deutung, welche in diesem Theil der Aufnahme-Ceremonien eine Er-
1) Concil. Brit. II, 383.
2) Vgl. auch Michelet 1,420: Ex sacramento tenebantur non revelare modum
reeeptionis eorum etiam fratribus, qui non adfucrant, et secreta capitulorum.
3) Vita dementis V. bei Baluze, Vitae poutif. Avenían. I, 30: Confìtcntur
qualiter post professionem suae regulac in loco privato coram suis maio-
ribus porrigebatur eis imago cnicifixi, quem cogebantur abnegare et in lacicm eius
spuere.
4) So Huguet de Calmont (der 43. Zeuge bei Grouvelle 374). Michelet
I, 405 sagt ein Geistlicher über diesen Punkt: quod credcbat, quod hoc fecissent ad
temptandum, si contingeret cum capi ultra mare a Saraceni», an abnegaret Christum.
Dieser Auffassung widerstreitet es schon, dass die Cérémonie der Verleugnung
Christi und der Kreuzverhöhnung erst nach der Aufnahme des Candidaten in den
Orden stattfand; es konnte sich also nicht um eine Prüfung handeln, von der dio
Ertheilung des Ordenskleides abhing.
5) S. die Aussage Guillaumc's de Saromine, des 203. Zeugen bei Grou-
velle 395. Vgl. auch die des 07, Nicolas de Trecy cbendas. 380. S. auch
S. 52, 227.