Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
Y.
Auf diu Frage, ob der Tempelherren-Orden, für den nach dein Glauben
der Welt die unter Beiruth und hervorragender Mitwirkung Bernhards
v. Clairvaux festgestellte Regel von 1128 allein ««massgebend war, die ihm
darauf hin gewährte Ausnahmestellung zur Ausbildung und Befolgung
eines auf durchaus häretischer Grundlage beruhenden Geheimstatuts
benutzt habe, kann nach dem Inhalt der uns vorliegenden Zeugenaussagen
nicht auders als mit einem bedingungslosen Ja geantwortet werden.
Einmal nämlich ergeben die Berichte derjenigen in dem Processe ver-
hörten Tempelherren, welche sich ausführlicher über die bei ihrer Aufnahme
in den Orden beobachteten Ceremonial verbreiten, dass, wenn auch zu
allen Zeiten hie und da die alten, durch die Hegel von Troyes vorge-
schriebenen Formen') beibehalten worden sind, doch in der bei Weitein
überwiegenden Zald der für uns festgestellten Fälle allerdings ganz anders
verfahren wurde, als eigentlich hätte geschehen sollen: die Verleugnung
Christi, die Verhöhnung des Crucifixes und das Küssen der Ordensbrüder
auf unanständige Stellen spielen dabei durchweg die Hauptrolle.*) Dieser
gewichtigen ThaLsache gegenüber ist es für jetzt gleichgültig, ob es wirk-
lich iu mehreren Fällen so gehalten worden ist, wie es ein Zeuge des
englischen Processes, Stephan v. Stapelbrugge, uu sich erfahren haben
will: derselbe giebt an, zunächst in der durch die Kegel von Troyes vor-
1) Statuta Art» 58 (ed. Merzdorf); §§ 3 u. 5, bei Maillard 207 u. 209.
2) Nach Dupuy I, 17 bekannten die 140 durch die königlichen Inquirenteu ver-
hörten Templer stimmt lieh, bei der Aufnahme in den Ordeu Christum verleugnet
und das Kreuz bespieen zu haben; die sich dessen Weigernden sind zur Fügsamkeit
gezwungen worden. Kin gleiches Krgebniss liefern die Acten des l'roccsscs vor der
päpstlichen Commission 1309—11 bei Michelet an vielen Stellen, des toscamschen
Processes bei Loiseleur, z.B. S. 175, und des englischen, Coiteli. Brit. II, 359,
3C0, 379, vgl 358.