Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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geratheil sei, die ihm 11-8 das Concil von Troyes gegeben; es könne
füglich nur ein kleiner Kreis aus der in ihren übrigen Gliedern unberührt
gebliebenen Gemeinschaft von so arger Ketzerei und so augenfälliger
sittlicher Verkommenheit ergriffeu gewesen sein, und die Verschuldung
einer geringen Anzahl gewissenloser Kitter habe man dem ganzen Orden
aufgebürdet und alle Glieder desselben, auch die unschuldige, der alten
Ordensregel treue Mehrheit, dafür leiden lassen. Diese Auffassung hat ja,
wie nicht geleugnet sein soll, wenn nicht gerade eine innere Wahrschein-
lichkeit, so doch entschieden eine gewisse Möglichkeit für sich. Gegen-
über den durch den l'rocess zu Tage geförderten Thatsachen, wie sie uns
in den Aussagen von Hunderten von Zeugen vorliegen, erweist sich dieselbe
jedoch als in nichts stichhaltig. Wenn sich, wie wir glauben, auch mit einiger
Wahrscheinlichkeit wird zeigen lassen, dass die in den oben angeführten
Cultusceremonien zu Tage tretende Ketzerei nicht durch den ganzen Orden
gleichmässig verbreitet gewesen ist, so wird die Sache sich doch so stellen,
dass in Folge einer eigenthüinlichen Fügung der Umstände die in allen
Zweigen des Ordens eingebürgerte und seit langer Zeit geübte Ketzerei
nur in einem einzigen noch nicht allgemein heimisch geworden war, wohl
aber, wenn nicht alles trügt, auch diesen seit kurzer Zeit von einem ganz
engen Kreis aus anzufressen begonnen hatte,') als die Katastrophe hereinbrach.
Wird man demnach füglich nicht umhin können, dasjenige, was in den
oben angeführten fünf Funkten offenbar wird, als ein vom Tempelherren-
Orden als solchem ausgebildetes und officiell gepflegtes und dem der
Gemeinschaft neu beitretenden Nachwuchs planmässig überliefertes System
gelten zu lassen, darin sogar das eigentliche Wesen des Ordens zu sehen,
für welchen die alte Kegel von Troyes (1128) nichts als eine nach aussen hin
zu täuschen bestimmte trügerische Hülle war, deren mau sich bediente, um
unter ihrem Schutze ihr eigentlich absolut widersprechende Tendenzen zu
verfolgen, so wird man sich auch weiterhin zu der Annahme veranlasst
sehen, dass der Orden noch eine besondere, seinen geheimen
Zwecken dienende Organisation gehabt, dass er namentlich neben
der als Aushängeschild dienenden eigentlichen Ordensregel noch eine
andere geheime Kegel, ein geheimes Statut ausgebildet, besessen
und befolgt hat.
Diese Frage ist je nach dem Standpunkt derer, die sich mit ihr beschäftigt
haben, zu verschiedenen Zeiten sehr verschieden beantwortet worden: es
ist daher geboten, auf sie noch besonders einzugehen.
1) Davon am Schiusa von Abschnitt VIII.