Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
leugnenden Angeklagten durch die Schrecken der Folter abgenöthigt worden
Bind. ') So anstössig von unserer Denkweise aus ein derartiges Gerichts-
verfahren erscheint, so sehr stand es mit dem in Uebereinstiminung, was
damals in diesen Dingen Hechtens war. Dass die Untersuchung in solcher
Weise geführt wurde, dafür mag man die Koliheit jener ganzen Zeit ver-
antwortlich machcu, dem Könige selbst und den ihm in dieser Sache
dienenden Beamten wird man von dem Staudpunkte ihrer Zeitgenossen aus
einen ernstlichen Vorwurf daraus unmöglich machen dürfen. Für die
Sache aber, für die Frage nach der Begründung oder Grundlosigkeit des
so gewonneneu Anklagematerials fallt die Thntsache völlig entscheidend
iu das Gewicht, dass ganz dieselben, für den Tempelherren-Orden geradezu
vernichtend gravirendeu Ergebnisse aus der Untersuchung auch da zu
Tage gefördert worden sind, wo dieselbe ohne Tortur und ohne Folter
geführt worden ist; so in den Processen in Sicilien, in Pisa, in Florenz,
in Ravenna und namentlich in England. Und dazu kommt nun noch,
dass bei weitem die Mehrzahl der 1307 von der königlichen Commission
torquirteu Ritter ihre anfänglichen Aussagen vor der grossen päpstlichen
Commission in allen wesentlichen Stücken aufrecht erhalten, die gleichen
den Orden schwer compromittireuden und seine Schuld in den Hauptpunkten
zweifellos feststellenden Geständnisse wiederholt hat, bei einem Verfahren,
das im Gegensatz zu dem der königlichen Inquirenten recht geflissentlich
milde und schonend geführt wurde, und wo von einem Abpressen desGestünd-
nisses nicht begangener Verschuldung thatsächlich nicht im Entferntesten
die Rede sein konnte. Nach alledem wird gegen die Authenticität des
durch den Process zu Tage geförderten Beweismaterials gegen den Tempel-
herren-Orden ein irgend stichhaltiger Einwand nicht mehr erhoben werden
können, und ist es durchaus unbedenklich, auf Grund eben dieses .Ma-
terials den Versuch zu machen, den wesentlichen Inhalt der templerischen
Geheimlehre systematisch darzustellen.
Als erwiesen1) darf man nach dem Inhalt der uns vorliegende!! um-
fänglichen Zeugenaussagen von den amtlich und im Munde des Volkes
gegen den Tempelherren - Orden erhobenen Anklagen unfraglich die
folgenden fünf ansehen:
1) Die Aufnahme neuer Mitglieder in den Orden war verbunden
mit einer Verhöhnung des Kreuzes,») meist durch Bespeien,
1) Dies suchten anfangs die Templer selbst geltend zu machen; vgl. Du pu y I, 4C.
2) Vgl Concil. Brit. II, 358.
3) Vgl. Haluze, Vitae pontificuui Aveniuncusium I, !): der Kauzler
Wilhelm Nogaret „quiuque casus ciionuissiinus, iu quibus accusabuutur, enar-