Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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Tempelherren der Auflösung entgegensetzten, ') das bewies nicht minder
die bedenklieh drohende Haltung, welche die Glieder des Ordens in Deutsch-
land gegenüber dem Mainzer Concile annahmen.1) Auch in Cypern machte
der Orden anfangs Miene, sich mit Hülfe seiner zahlreichen Burgen und
der in Bereitschaft gehaltenen Söldnerschaaren dem durch Philipp von
Frankreich erzwungenen Spruch offen zu widersetzen (s. den Bericht
Amaury's, des Herrn von Tv rus und Statthalters von Cypern, bei Leib-
nitz, Mantissa Cod. dipi. 11, 86). Aehnliches und viel Schlimmeres
hätte begegnen könuen, wenn man dem Orden da, wo er am mäch-
tigsten war, in Frankreich, überhaupt nur die Zeit gelassen hätte, sich
zu ernstlicher Gegenwehr zu rüsten: alsdann hätte die Verbindung
desselben mit den zahlreichen unzufriedenen Baronen, die längst gegen Phi-
lipps Despotismus murrten, sehr leicht in Frankreich zu einer Revolution
führen können, die für dus kaum erstarkte Königthum möglicher Weise
verhängnissvoll geworden wäre.a)
Ohne also die Handlungsweise des Königs von Frankreich gegenüber
dem Tempelherren-Orden rechtfertigen zu wollen, wird man doch zugeben
können, dass dieselbe unter dem Banne einer gewissen politischen Not-
wendigkeit stand, dass Philipp, ohne sich selbst schwerer Gefahr aus-
zusetzen, den Orden weder ruhig weiter wachsen lassen, noch in einer
anderen, allmäligeren Verfahrungsweise gegen denselben einschreiten konute.
Jedenfalls wird heutigen Tages Niemand mehr die Behauptung wagen, der
Orden sei ohne jeden Beweis der Schuld dein Untergange überliefert wor-
den, die unter den Qualen der Folter von den inquirirten Rittern ab-
gelegten Gestäuduisse seien jeder tatsächlichen Begründung bar gewesen,
es handele sich bei dem Processe und der Verdammung des Tempelherren-
Ordens um nichts als eine im grossen Stil durchgeführte schnöde Intrigue,
der gegenüber es dann Sache der Nachwelt sein soll, das schmachvoll ver-
unglimpfte Andenken der um nie begangener Vergebungen willen hingemor-
deten Ritter in seiner ursprünglichen Reinheit wiederherzustellen. Ks wird
ein ganz vergebliches Bemüheu sein, die Krgebnissc, welche die von den zu-
erst ernannten königlichen Inquisitoren veranstaltete Untersuchung zu Tage
gefördert hat und welche die unentbehrliche Grundlage gebildet haben
für das ganze weitere Verfuhren, deshalb als durchaus unglaubwürdig
darstellen zu wollen, weil die betreffenden Geständnisse den anfangs allea
1) Wilckc II, 322—23.
2) Kbendas. 241 ff.
3) Gruuvollo 24Ü.