Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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es wohl einen Standpunkt, von den» nus die von eisernster Energie zeugende
Gewaltthat des Königs, wenn auch nicht zu rechtfertigen, so doch zu ent-
schuldigen und zu erklären und aus einer gewissen politischen Zwangs-
lage herzuleiten sein dürfte. I'hilipp hatte — ganz abgesehen zunächst
von der dein Köuigthum selbst fast gefährlichen Macht der Tempelherren
iu Frankreich — Grund, dem Orden zu grollen und sich auf politischem
Gebiete des üblen Willens desselben zu versehen. Er muss te es schwer
empfinden, dass die Tempelherren in Sicilien gegen seinen Oheim Carl
v. Anjou agitirt und der aragonésischen Partei thatkräftig Vorschub geleistet
hatten. Er wusste, dass der Orden die ihm durch seine Privilegien ge-
währte eximirte Stellung während seines Streites mit der Curie benutzt
hatte, um gegen das ausdrücklich erlassene Verbot doch bedeutende
Geldsummen aus Frankreich an den Papst zu befordern. Es scheint
ferner als feststehend angenommen werden zu müssen, dass bei der Volks-
erhebung, welche 1306 in Folge einer der beliebten Münzverschlechterungen
in Paris stattgefunden hatte, >) die dortigen Tempelherren ihre Hände im
Spiele gehabt und die Gelegenheit benutzt hatten, um auch ihre besonderen
Beschwerden der Krone gegenüber durch die erregte Volksmenge nach-
drücklich zur Geltung bringen zu lassen.*) Auch fehlte es nicht an Bei-
spielen von entschieden antimonarchischen Tendenzen, welche der Orden
mit seinen gewaltigen Machtmitteln zu fordern bereit war. Im Jahre 12ÖU
hatten die gegen ihren Herzog Andreas rebellirenden Edelleute Kroatiens
sich der Unterstützung der Tempelherren zu erfreuen gehabt, und es war
noch nicht lange her, dass der Herr von Tvrus mit Hülfe des ihm durch
den Hochmeister Jacob v. Molay eng verbundenen Tempelherren-Ordens
den schwachen König Heinrich II. von Cypern entthront hatte.3) Wollte
man überhaupt gegen den Orden einschreiten, so musste das mit einem
Schlage geschehen, der denselben sofort zu ernstlicher Gegenwehr unfähig
machte, indem er ihn ausser Stand setzte, seine reichen Mittel zu einer
ernstlichen Verteidigung zu gebrauchen. Wo das nicht geschah, konnten
die ernstlichsten Schwierigkeiten entstehen; dass diese Erwägung durchaus
zutraf, das bewies hinterher der gewaffnete Widerstand, den die spanischen
1) Vgl. Chronique de S. Denis (ed. 1*. Tarif) V, 171 ff.
2) Vgl. Grouvelle 186—87. Iiisloire de l'abolitiou de l'ordre de» Templiers
(l'aria 1779) 10 ff.
3) Ebelidas. "¿50. Vgl. das Breve Bonifaz' VIII, der den König zur Nach-
giebigkeit mahnt, bei Dupuy, Hist, de l'ordre militaire (1751), 17G. Ursprüng-
lich sollte der Orden uuf Cyperu nur mit ausdrücklicher Erlaubnis* des Königs
Lündereicn erwerben dürfen: ebendas. 178.