Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
Ferner aber konnte es bei eiuiger Aufmerksamkeit auf die Dauer doch
nicht unbemerkt bleiben, dass eine nicht geringe Zahl von den dem
Tempelherren-Örden nngehörigen Geistlichen bei Abhaltung der Messe die
Sacramentalworte ohne Weitere» fortliess. Natürlich herrschte in diesem
Punkte nicht in allen den Gebieten, wo die Tempelherren heimisch geworden
waren, ein und derselbe Gebrauch; dass er aber in dem gross ten Theile
des Ordens beobachtet worden ist — wie wir sehen werden, eine noth-
wendige Consequenz der templerischen Geheimlehre — ist durch dasjenige,
was der Process gerade über diesen Punkt ergeben hat, völlig sicher-
gestellt.') Der hierin liegende schwere Verstoss gegen das kirchlich liebliche
und Auerkannte würde doch aber auch dann nicht gemildert erscheinen,
wenn die Vermuthang zuträfe, dass im Tempelherren-Orden die Nichtzeigung,
die Nichterhebung der Hostie und des Kelches bei der Messe üblich ge-
wesen sei in Folge der engen Verwandtschaft desselben mit dem Cistercienser-
Orden, welche auch in den Statuten beider ihren Ausdruck gefuuden haben
soll: auch die Cistercienser erhoben und zeigten Hostie und Kelch anfangs
nicht, und erst durch ein ausdrückliches Gebot des Lateranconcils von 1*215 ist
es ihnen zur Pflicht gemacht worden, sich in dieser Hinsicht dem Gebrauche
der gesammten übrigen Kirche anzubequemen.*) Wenn der Tempelherren-
Orden seinerseits trotzdem an dem bei ihm eingeführten Gebrauch festhielt,
so trat er damit zu den Cultusgebräuchen der übrigen Kirche in einen höchst
aufi¡Uligen Gegensatz, hinter dem man sehr leicht eine geheime Absicht,
eine besondere ketzerische Vorstellung über die Messe und über die Ver-
wandclung des Brotes und des Weines vermuthen konnte. Die für Viele
schou längst feststehende Kirchenfeindlichkeit des Ordens») schien sich
damit auch in Bezug auf Cultus und Dogma unwiderleglich zu bethätigen.
Und dazu kam nun das dem Laien befremdliche und vollends der
grossen Menge schauerlich imponirende Geheimuiss, mit welchem der
1) S. Dupuy I, 23—24. Concil. Brit. II, 361—G2. Wenn dagegen ein
Zeuge (der 3.) Concil. Ii rit. II, 339 sagt: quod eorum sacerdotes dicunt tnissam,
ut dixerunt semper et communiter alii sacerdotes christiani — so kann das nicht
entscheidend gegen die Richtigkeit dieser Anklage ins Gewicht fallen, weil — wie
wir später sehen werden — die templerische Häresie in England erst ganz neuer-
dings Eingang gefunden hatte und offenbar noch auf einen sehr engen Kreis auch
innerhalb der englischen Zunge des Ordens beschränkt war.
2) Das bemerkt unter Bezugnahme auf Martine, de untiquis monach. ritibus
Grou velie 183.
3) Concil. Iirit. II, 382 sagt ein Zeuge in dem schottischen Process: quod
quantumeunque posaunt, semper fuerunt contra ecclesiam et super hoc laborat
publica vox et fama.