Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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wieder ili ch-r, durch welche er am 22. Marz 1812 auf dem Concil zu
Vienne dio Verdammung des Tempelherren-Orden« ausspricht, ') dass er
nicht alle die gegen den Orden erhobenen Anschuldigungen aussprechen
könne und wolle, weil er dadurch ein zu grosses Aergerniss geben würde.
Man wird dieser Erwägung eine gewisse Berechtigung nicht abstreiten
können: denn was für einen gewaltigen Eindruck hätte es machen, welche
nie wieder gut zu machende Niederlage hätte es der römischen Kirche
bereiten müssen, wenn alle Welt sich actenmässig davon hätte überzeugeu
können: dass der Ritterorden, in dessen Gliedern angeblich die religiöse
Begeisterung der Kreuzzugszeit am herrlichsten und thatkräftigsteu fort-
lebte, nicht bloss einem zügellosen Wandel verfallen war. sondern unter
dem Schutze des ihm durch seine Verfassung ermöglichten und nach
aussen hin bis zu einem gewissen Grade gerechtfertigten Geheimnisses
gleichsam ein Sammelplatz geworden war für alle die häretischen Lehreu
und Cultformeu, *) d»e vor dein gewaltigen Arme der strafenden Kirche
scheinbar verschwunden waren, um von den Rittern des Tempelherren-
Ordens ineinandergefügt, einheitlich verbunden und zu einem alle Theile
zu einem neuen Ganzen einigenden Systeme verarbeitet zu werden. Hätte
das Bekanntwerden dieser Thatsache nicht die Kirche in dem allerzwei-
deutigsten Lichte erscheinen lassen? Wäre die wahrscheinliche Folge
davon nicht ein mächtiges Neuaufleben all der Ketzergemeinden gewesen,
welche unter blutigen Greueln endgültig erstickt worden zu sein schienen?
Man wird es daher auch ferner nur natürlich finden, dass die römische
Curie alles aufbot, um das schmutzige und dunkle Blatt, welches die
Ketzerei des Tempelherren-Ordens in der Geschichte ihrer eigenen geistigen
Entwickelung bildete, möglichst für immer geheim zu halten und dem
Lichte der Oeffentlichkeit ganz zu entziehen, in welchem die römische
1) Dieselbe ist in französischer Uebersetzung mitgetiieilt zuerst von Lniseleur,
La doctrine secrete des Templiers (Paris und Orleans 1872) p. 213 ff.; die be-
treffende Stelle steht p. 218: „Quelques uns d'entre eux ont encore confessé d'autres
crimes horribles et déshonnétes que nous tairons présentement. — In
der lat. Originalausfertigung steht die Urkunde in Lorenzo Villanueva's Viage
Literario à las iglesias de España, Tom. V, 207—21 ff., nach welchem Druck
Ich sie im Anhange hier mittheile.
2) P. Clemens V. schreibt an König Carl von Sicilien, als er denselben
zur Verhaftung aller Templer in seinem Lande auffordert, Dupuyl, 194: »videlicet
quod Teinplarii sub religionis pallio militantes exterius, in apostasiue
perfidia intus vixerunt hactenus, in detestabili haeretica pravitatc —
zählt die Verleugnung Christi, den Idolcult u. a. m. auf und schlicht ,«•' "dia mulla
comniittunt, quae ob ruborem exprlmendi subticeuius ad prawn»,*