Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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kirchlichen, bald autikirchlichen Richtung zu bestärken, iu welche sie wie
die meisten palästinischen Christen unter dem Einfluss der zuletzt durch-
lebten Jahrzehnte gerathen waren.
Wenn es also als erwiesen gelten kann, dass die ilaltuug der Curie
gegenüber der steigenden Bedrängnis* der Christen im Heiligen Laude
den Vorwurf schnödester Selbstsucht gegen die Kirche begründete, so be-
greift man den Zorn, der sich zu Ausgang des dreizehnten Jahrhunderts
von allen Seiten her gegen dieselbe erhob, und dass man sie geradezu des
Yerrathes an der grossen Kreuzzugsbewegung beschuldigte — welche doch
erst von ihr selbst in das Leben gerufen worden war. Alle diese Um-
stände scheinen nun iu ihrem Zusammenwirken namentlich auch gerade
innerhalb des durch die schliessliche Katastrophe ja besouders init-
betroffenen Tempelherren-Ordens eine tief erbitterte Stimmung gegeu das
als au alle dem schuldig angesehene l'apstthuiu erzeugt zu haben; in
Folge davon schlug der Orden noch im Heiligen Lande selbst eine anti-
päpstliche Richtuug ein; eine solche aber konnte unter den damals ob-
waltenden Zuständen sehr leicht zu einer antikirchlichen werden; in jedem
Falle aber war es nur natürlich, dass .ihre Anhänger, wurden sie iu eine
durch und durch von Ketzereieu durchwühlte Hevölkcrung versetzt, auch
an dem Dogma der ihnen gegenüber so wenig bewährten Kirche zu
zweifeln anfingen und sich mit besonderem Eifer den Irrlehren der Hä-
retiker anschlössen.
In dieser Weise war, wenn nicht alles trügt, der Tempelherren-Orden
durch die Entwicklung, die er.unter dem Einfluss der palästinischen Er-
eignisse durchgemacht hatte, für Häresien ganz besonders empfanglich und
dieselben aufzunehmen und recht geflissentlich zu hegen und auszubilden
in hervorragendem Maassc dispouirt. als er in Folge der fortschreitenden
Räumung des unhaltbar gewordenen Heiligen Inundes sich nach dem
Abendlande zurückzuziehen und besonders massenhaft iu dem von den
verschiedensten Ketzergemeinden durchsetzten südlichen Frankreich nieder-
zulassen anfing.
Es kann wohl kaum noch ein Zweifel darüber obwalten, dass die obersten
kirchlichen Autoritäten, welche schon zu Anfaug des dreizehnten Jahr-
hunderts die Rechtgläubigkeit der Tempelherren anzuzweifeln Grund gehabt
hatten,1) in der Hauptsache auch über diu entschiedene Verschlimmerung
unterrichtet waren, die sich mit dem Orden seit seiner Concentration in
1'rankreich vollzogen hatte. Aber auch jetzt schritten sie nicht ein, ob-
gleich die öficntliche Meinung immer entschiedener gegeu den Orden sich
1) S. oben S. IG ff.