Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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Mit dieser letzten Wendung, welche in den Schlusszeilen des Sirvente
noch weiter ausgeführt wird, berührt der Sänger ein Moment, welch«»
von hoher Bedeutung ist für die Erklärung der entschieden antipäpstlichen.
antikirchlichen Gesinnung, die uns in weiten Kreisen als letztes geistiges
Ergebniss der Kreuzzugsperiode entgegentritt. Hatte man nämlich nicht
((tatsächlich allen Grund, die Kirche, insbesondere das dieselbe mit fast un-
umschränkter Macht leitende Papstthum, das in der Höhezeit der Kreuzzugs-
bewegung über die finanziellen und militärischen Mittel der christlichen
Staaten mit souverainer Willkür verfügt hatte, für den schliesslich so
ganz ruhmlosen, kläglichen Ausgang der heiligen Unternehmung ganz
direct verantwortlich zu machen? Konnte man nicht mehr als einen
Zeitpunkt auführen, wo der Kampf der Christen gegen die Mohamedauer
eine entschieden günstige Wendung hätte nehmen können und hätte nehmen
müssen, wenn die zunächst in Betracht kommenden weltlichen, militärischen
und politischen Rücksichten in entsprechender Weise beachtet und zur
Richtschnur des Handelns gemacht worden wären? Regelmässig aber
waren diese Zeitpunkte ungenutzt vorübergegangen, und die sich hernach
daraus ergebenden Consequenzen waren der christlichen Sache geradezu
unheilvoll geworden, weil es dem auf alle Weise geltend gemachten päpst-
lichen Eiufluss gelungen war. dio ausschliesslich kirchlichen Interessen in
den V ordergrund zu drängen und als die allein in Betracht zu ziehenden den
widerstrebenden Feldherren und Politikern aufzunöthigen. Der Verlauf
des ersten Kreuzzuges selbst erscheint uns durch diesen verhängnissvolleu
Fehler bedingt, und von eben dieser Seite ist die Entwicklung der
fränkischen Pflanzuug in Palästina am meisten und am unheilvollsten be-
einträchtigt worden. Dass der in Palästina sehnsüchtig erwartete Kreuz-
zug von 120*1 zum guten Theil durch die Kirche und zu deren einseitigem
Vortheil nach Griechenland abgelenkt worden war. hatte man in dem König-
reich Jerusalem, das dadurch zunächst geschädigt war, mit gutem Recht
dem Papstthum nicht vergessen. Bekannt ist die im höchsten Grade ver-
hänguissvolle Rolle, welche der päpstliche Legat, Cardinal Pelagius, 1218
in dem Riesenkampfe vor Damiette gespielt hatte; dieselbe lässt ihn und
die von ihm vertretene Kirche zum guten Theil als verantwortlich er-
scheinen für den tragischen Ausgang, der diesem Anfangs so viel ver-
gegen die Kirche und ihre Politik. Vgl Faurlel a. a. O. II, 134. Man sehe auch
dio Aeusscrungcu Folquct's de Kornau (ib. 135), Raymond's Guncelm (ib. 136) u.
A. m., welche theil» die Kreuzzüge überhaupt verdammen, theils die Art, in der sie
damals ausgeführt wurden.