Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
Zeugnis» in dein Sirvente eines provenvalischeu ritterlichen Sängers, der
sieb selbst als ein Mitglied de» Tempelherren-Ordens zu erkennen giebt.
Das in der bezeichneten Richtung höchst charakteristische Gedicht ') ist iiu
Jahre 1266 entstanden, unmittelbar nach einer vernichtenden Niederlage,
welche die Ritter des Tempelherren-Ordens im Kampfe gegen den Sultan
Bibars erlitten hatten.
„Schmerz und Zorn", so hingt der streitbare Dichter unter dem Ein-
druck des eben erfahrenen Unglücks, „erfüllen meine Seele und drohen
fast mich zu tödten. Wir erliegen unter der Last dieses Kreuzes,
das wir auf uns genommen haben zn Ehren dessen, der daran geheftet
ward Es giebt kein Kreuz, es giebt keinen Glauben, der uns
zu helfen vermöchte gegen diese verfluchten Schurken von
Türken. Offenbar ist es vielmehr, und männiglich kann es sehen, dass
Gott selbst dieselben beschützt zu unserm Unheil." Nach einer
Klage über den Fall Caesareas und Arsufs. nach dem man sich von den
Ungläubigen wohl bald noch schlimmerer Dinge werde versehen können,
fährt der Dichter in steigendem Unmuthe fort: „Gott hat wohl geschworen,
keinen Christen am Leben zu lassen und eine Moschee (bafomairia) zu
machen aus der S. Marienkirche. Und weil sein Sohn, der sich dem
entgegensetzen müsste, dem zustimmt und das gut findet, so
werden wir uns auch wohl damit zufrieden geben können!
Ein rechter Thor also ist, wer den Kampf noch sucht mit den
Türken, denen Gott ja alles und jedes erlaubt. 1st es denn da
noch zu verwundern, dass dieselben alles besiegen, Franken so
gut wie Tartareo. Armenier so gut wie Perser, und dass sie uns Templer
hier jeden Tag von neuem blutig schlagen? Gott, der ehemals
wachte, schläft jetzt. Mohamed entfaltet seine ganze Kraft
und läs»t seinen Diener Malek Daher (d. i. Sultan Miliars) schalten und
walten. Der Papst aber verschwendet seinen Ablas» gegen die Deutschen,
au die von Arles und an Frankreich, hier bei uns aber da geizt er
damit!"*)
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1) Es steht in freier Uebersetzung bei Fauriel, Histoire de la poésie pro-
vengale II, 138—39 und ltaynouard, Poésie des troubadours IV, 185.
2) Es wäre leicht, aus dent 13. Jahrhundert und namentlich aus den Gesäugen
der provençalischcn Dichter cinc Fülle Ähnlicher, zum Theil noch viel abfälligerer
Urthcilc über die Kreuzzüge und die von neuem zu deuselben antreibende Kirche
zusammenzustellen. Namentlich die Albigenserkriege kühlten den gerade in Süd-
frankreich einst so heissen Glaubenseifer gründlich nb: die Troubadours ergriffen in
denstlbcn die Partei ihrer weltlichen Herren und ergehen sich in bitterer Satire