— 22 —
vornehmlich die Albigenser nach vielen Zehntausenden . Und nun hatte der Tempelherron - Orden gerade in diesen herrlichen Landschaften de« südlichen und mittleren Frankreich frühzeitig sehr ausgedehnte Ländereien erworben und diesen Besitz dann im I¿aufe der Zeit planmässig und mit so lichem Erfolge vermehrt , dass in der zweiten Hälfte des dreizehnten hunderts dort das eigentliche Centruin seiner überhaupt ja vorzugsweise auf Frankreich gegründeten , wahrhaft königlichen Macht lug . ' ) Es braucht wohl nicht weiter ausgeführt zu werden , wie leicht die zahlreichen ritter , welche in den die Centren dieser Gütercomplexe bildenden häusern lebten , in Folge der dauernden , durch die verschiedensten Formen des Verkehrs täglich gebotenen Berührungen mit einer durch und durch häretischen Bevölkerung selbst von der rings um sie herrschenden Häresie infícirt und allmälig ganz für die Lehren derselben gewonnen werden konnten ; ja man möchte behaupten , dass sich in diesem Vorgange nur ein der Sachlage nach unvermeidlicher , ein psychologisch notwendiger Process vollzog .
Fast unvermeidlich nämlich , weil psychologisch nothwendig , wurde der Abfall der inmitten einer häretischen Bevölkerung lebenden herren der südfranzösischen Convente des Ordens von der kirchliehen Orthodoxie zu den ketzerischen Lehrmeinungen ihrer gesammten Umgebung dadurch , dass dieselben eine Disposition zur Häresie , eine besondere Empfänglichkeit für die antikirchliche , antipäpstliche Denkweise , eine Neiguiig , wohl gar eine Gewöhnung zu kühl ablehnender Gleichgültigkeit oder zu zersetzendem , zerstörungslustigem Skepticisiuus dem kirchlichen Dogma gegenüber bereits aus dem Orient mitgebracht hatten .
1 ) Eine ungefähre Vorstellung von «lein erstaunlich ausgedehnten und reichen Besitzstand des Ordens in Frankreich ergeben die Notizen bei hauer und die vielen darauf bezüglichen Aussagen bei Michelet ; dann Vaissette , Hist , generale de Languedoc II , 480 , 490—91 ; M or ice , Monuments pour servir à l'histoire de Bretagne I , G38 ; Menard , Hist , de Nismes I , 212 . Marvaux , Ilist . du Bas Limousin ( Paris 1842 ) I , 231 . — Nach einer Notiz bei M fin ter 427 findet sich im Vaticanischen Archiv ein Catalogue praeeeptoriorum et commendarum ordinis militum Templi in regno Franciae , wonach in dem damaligen eigentlichen Frankreich und der Normandie 85 Praeceptoreien oder Balleien mit ihnen untergeordneten 283 Conventen existirten . — In der Provence , wo 1136 das erste Templerhaus zu Villedin bei Pamiers gestiftet wurde , gab es 34 Ordenshäuser ( Wilcke II , 19—20 ) , toh denen die zu S . Gilles , Cahors , Toulouse , Arles und Avignon die bedeutendsten waren . Die Vigueries von Aix , Forcalquier , Apt , Tarrascon sind mit Ordensbesitzungen dicht bedeckt ; vgl . Bouche , Essai sur l'histoire de Provence ( Marseille 1788 ) I , 34G ff . Aquitanien und Poitou waren seit 1158 als Ordensprovinz unter einem Provinzialmeister organisirt .