Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
III.
Was in dor zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts bereits als ein
dunkeles Gerücht, freilich durch eine Reihe höchst auffälliger Thatsachcu
bestätigt, umgelaufen war, nämlich dass der Orden der Tempelherren,
die Lieblingsstiftung des heiligen Bernhard, die vornehmste Stütze der
Christenheit in der Behauptung des Heiligen Landes gegen die Ungläubigen,
wenn auch nicht in seiner Gesammtheit, doch in einem grossen Theil
seiner Mitglieder von dem rechten Glauben abgeirrt und zu Irrlehren
abgefallen sei, die von der Kirche verdammt und mit Feuer und Schwert
verfolgt wurden, war, wie wir gesehen, im Laufe des dreizehnten Jahr-
hunderts auch von den höchsten kirchlichen Autoritäten nicht geleugnet,
sonderu als Thatsache mittelbar eingestanden worden — eine Art von
öffentlichem Geheimniss insofern, als alle Welt ganz unverhohlen davon
sprach, niemand aber gegen die glänzende, reiche und übermächtige
Genossenschaft direct Klage zu erheben wagte, und diejenigen, deren
Sache ein näheres Eingehen auf diesen dunklen I'unkt gewesen wäre,
denselben im Allgemeinen als nicht vorhanden ansahen und geflissentlich
iguorirten. Nach welcher Seite hin aber die den Tempelherren schuld-
gegebene Abirrung von der Lehre der Kirche geschehen, worin des Ge-
naueren die Ketzerei derselben, die „dämonischen Lehren"4, die ihnen
bereits Innocenz III. schuldgegeben. ') bestanden, wird uns nirgends gesagt.
Es scheint, als ob eine genauere Kenutniss davon ausserhalb des Ordens
selbst wirklich nicht vorhanden gewesen sei. und daraus mag man es
wohl mit zu erklären haben, dass, obgleich alle Welt die Tempelherren
als von Ketzerei angefressen bezeichnete, die eifrigsten Ilüter der kirch-
lichen Rechtgläubigkeit gegen dieselben einzuschreiten doch keine Hand-
habe fanden. Eine so allgemeine und unbestimmte Anklage zu erweisen,
bedurft«! es eben eines su planmässigen, durchgreifenden und rücksichts-
1) S. oben S. 16.