Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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man daraus auf den ersten Blick wohl den Schluas ziehen, der Bericht-
erstatter habe den Grund für dieses Verhältnis« in dem entsprechend
grösseren Reichthum der Johanniter gesehen; aber wenn, man sie mit de
Worten des päpstlichen Schreibens zusammenhält. wird man in der Angabe
des Würzburger Klerikers wohl einen etwas anderen Sinn finden müssen,
einen Vorwurf nämlich gegen den Orden, der trotz seines colossale!!
Vermögens im Gebiete der Armenpflege nicht im Entferntesten so viel
leiste, wie der lauge nicht in gleichem Grade mit Glücksgütern gesegnete,
aber seiner ursprünglichen Bestimmung viel treuer gebliebene Orden der
Johanniter.
Und seit jener Zeit sind die Klagen gegen den Tempelherren-Orden
nicht mehr verstummt, sondern lassen sich, immer von neuem vorgebracht,
verfolgen bis zu dem Augenblicke, wo die lange drohende, von den
Gefährdeten selbst aber in trotziger Verblendung für unmöglich gehaltene
Katastrophe endlich mit vernichtender Schwere hereinbrach. Kaiser
Friedrich II., der allerdings mehr als jeder Andere Grund zur Feindschaft
gegen den ihm auf das Herausforderndste entgegengetretenen Orden hatte,
spricht ganz offen von dem „übermülhigen Orden der Templer* und bringt
gegen denselben eine neue, höchst charakteristische Beschuldigung vor,
der man eine hohe innere Wahrscheinlichkeit zugestehen muss, schon
nach dem. was uns bis dahin über die ausschliesslich von eigennützigen
Rücksichten bestimmte Politik des Ordens in seinem Verhältnis« zu den
Sarazenen bekannt geworden ist. Als erwiesen bezeichnet der Kaiser,
dass die Tempelherren, mohamedauische Fürsten und Grosse in ihren
Ordenshäusern gastlich aufnähmen, und nicht das allein, sondern denselben
sogar gestatteten, dort ihre mohamedanischen Cultushandlungeu feierlich
vorzunehmen.*)
1) Matthaeus Paris (cd. Wat») p. 615a: Templuriorum superba re-
ligio et aborigeniarium baroauai deliciis edueta superbit . . . nobis constitit evi-
denter intra claustra Templi Soldanos et suos cum alacritate pomposa ac-
ceptes, superstitione* suas in invocatione Maiiomcti et lusus sacculares facere
Templarii patcrcntur. Vgl. die Aussage des William do Kilros ConciI.
Brit. II, 377: — quod magna suspicio a longis temporibus laborabat contra
dictum ordinem Tcmplariorum, tam pro eo, quod ordo ita subito exaltabatur, quam
pro eo, quod fratres dicti ordinis tantum amicitiam et tractatum habebant
cum Saraccnis. — Nach Thietmar p. 22 turnierten in Friedenszeiten Ritter und
Beduinen bei Castrum Peregrinorum um die Wette.— Michelet I, 645 kommt ein
Beispiel vor von Bl u tsfreundscliaft zwischen einem Tempelritter und dem Bruder
des Sultans von Aegypten. — (Vgl. Michaud, Bibliothèque de« croisades III, 340
und Ducange bei Péti fot, Mémoires relatifs à l'histoire de France III, 347 ff
und 368 ff.)
Pruts, TtnpnUurrrii. 2