Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
entbehrte, wird namentlich auch dadurch bestätigt, dass bereits wenig mehr
als ein Mcnschenalter später die römische Kuno selbst sich veranlasst sah,
von derselben Notiz zu nehmen und dem Orden eine ernste, nicht miss-
zuverstehende Warnung zu ertheilen. Am 3. September 1208 schreibt
Iii nocen z III. an Guillaume d'Oeil de Boeuf, den Visitator des
Tempelherren-Ordens im Abendlande:
„Der Cardinale und Bischöfe wiederholte Beschwerden über
grosse Vergehen Deiner Brüder betrüben uns sehr, da sie Uns
und der Kirche Aergerniss geben, den Seelen aber Gefahr und
dem Orden Schaden bereiten."
Worauf sich diese allgemeinen Andeutungen beziehen, wird weiterhin
genauer bezeichnet:
„Die Ordensritter fröhnen dem Geize und dämo-
nischen Lohren.... .Sie nehmen Tlieil an der Welt, wie es
Ordensleuten nicht geziemt, sie ergeben sich der Völlerei, und
ihr Ordenskleid ist nichts als eine heuchlerische Lüge. ... Viel
Schändliches verschweigen wir, um nicht härtere Strafen
verhängen zu müssen, wie z. B. die Entziehung der Privilegien,
die Ihr so schändlich m issbra ucht."')
So bestimmt, so drohend würde selbst ein Innocenz III. die Be-
schuldigung. dass „dämonische Lehren" im Tempelherren-Orden ihre
Bekenner gefunden hätten, sicherlich nicht ausgesprochen haben, wenn er
irgend au die Grundlosigkeit der lange schon am Ordeu haftenden üblen
Nachrede zu glauben vermocht hätte! Sehr bezeichnend ist ferner, dass
die von dem Papste gegen den der Curie so nützlichen und in mancher
Hinsicht geradezu unentbehrlichen Orden erhobene Anklage wegen seines
Geizes, seiner Habgier auch anderweitig schon früher ausgesprochen ist.
Wenn nämlich der vorhin angeführte Pilger Johannes von Würzburg,*)
den Reichthum des Temjielherren-Ordens rühmend, die von demselben den
Armeu gespendeten Almosen zwar als „hinreichend gross" bezeichnet,
jedoch hinzufügt, die Tempelritter thäteu in dieser Hinsicht noch nicht
den zehnten Theil von dem, was der •Johanniterorden leiste,») so könnte
1) ßaluze II, 68 (Kp. 121): Ecclesiae generali« et cupiditatis anhelantes non
déclinant mendacia, dum utente» doctrinis dacmoniorum . . . post haec et
alia nefanda apostolici« privilegiis, quibus tam cnonniter abutuntur, essent merito
spoliaudi.
2) Tobler a. a. O.
3) Ebenda». Eleemosynnm qnidem facit satis magnani in Christi pauperes,
sed non In decima pnrte eius cleemosrnac, quam faciunt hospitales.