Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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der Tempelherren-Orden die Stellung über allem Gesetz und Hecht, die
er hisher innegehabt hntte, einbüssen sollte, derselbe schien seinerseits
entschlossen, sich mit Waffengewalt den Anforderungen des Königs zu
widersetzen, das ganze Reich war in fieberhafter Erregung, und eiu
offener Krieg schien zwischen den streitenden Gewalten unvermeidlich zu
Sein.') Dennoch kam es schliesslich nicht dazu; in welcher Weise ein
Ausgleich vermittelt ist, wissen wir nicht; vielleicht darf mau vermutheu,
dass König A mal rieh schliesslich doch den aussichtslosen Kampf mit der
übermächtigen und ihm unentbehrlichen Kittergeuossenschaft zu vermeiden
vorzog: jedenfalls hat der Orden irgend welche üblen Folgen seiner Ge-
walttat nicht zu beklagen gehabt. Er fuhr fort, seine bewährte, rück-
sichtslos eigennützige Politik zu treiben und ungescheut gelegentlich seinen
eigenen Vortheil auch um den Preis einer Schädigung des christlichen In-
teresses zu fördern. Noch im Jahre 12G9 soll eine Sieg und Beute ver-
b eissend e Unternehmung des englischen Prinzen Eduard dadurch vereitelt
worden sein, dass der Hochmeister des Tempelherren-Ordens den ihm be-
freundeten mohamedan¡sehen Fürsten insgeheim vor der ihm drohenden
Gefahr warnte. *)
Es liesse sich noch manche ähnliche Thatsache anführen; doch wer-
den die erwähnten wohl genügen, um die Behauptung zu rechtfertigen,
dass der Orden der Tempelherren sich durch seine nur von weltlichen
Machtinteressen bestimmte Politik frühzeitig in einen unlösbaren Wider-
spruch versetzte mit seinem Ursprung und mit seiner Bestimmung. Man
wird sich demuach auch nicht wundern können, den Orden schon früh-
zeitig in dem Verdachte stehen zu sehen, dass er es um seines eigenen
Vortheils willen mehr mit den Mohainedanern als mit den Christen halte.*)
1) <¡ uileim. Tyr. XX, 29-31.
2) S. die Zeugenuussage in dem engl ¡selten Tcmplerproccs«, Con eil. Uri-
tannica II, 363.
3) Michelet I, 187 — dixit sc frequenter audiisse quod propter nintiam fu-
miliaritatcni, quam habebat frater Guilelmus de Hello Zoclio (Wilhelm v. Beaujeu,
Hochmeister 128G—91) —■ — cunt Soldano et Saraceni*, multa damna provcnenint
Christiunis. Zur Zeit des WalTenstillstandes soll derselbe gar im Dienste des Sultans
von Aegypten gestanden haben (*. du Caugc, les familles d'outre mer 891). Vgl.
auch den charakteristischen Vorgang, den ein Zeuge, Michelet I, C4G, Tiber dieses
Hochmeisters Handel mit aufsässigen Söldnern erzählt (domus Anconitana ist zweifel-
los auf Accon zu beziehen). — Vgl. auch Vito Clementi« V. bei Bai uze, Vituo
pontif. Avenioitens. I, 102: ext it it repertum, quod ipsi magnum consilium, auxilium
et fuvorem, communionem et confoederationem cum periidis Sarucenis ultra mure
contra Christiunos habebunt. — Kin chentuliger Tempelherr soll der Vormund ge-