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mehr übrig lassen . Es hält nicht schwur , aus den Geschichtschreibern der Krcuzzüge ein förmliches Sündenregister zusammenzustellen , angesichts dessen man die dem Tempelherren - Orden in Bezug auf diesen Puukt machten Vorwürfe als nur zu wohl begründet wird bezeichnen müssen .
Einstimmig fast machen die Zeitgenossen in erster Linie den herren - Orden verantwortlich für das klägliche Millingen der in dem zweiten Kreuzzug von Deutschland und Frankreich aus mit bedeutenden Mitteln unternommenen Expedition zur Sicherung des schwer gefährdeten christlichen Reiches im Osten : insbesondere wird das Scheitern der mit aller Aussicht auf Erfolg unternommenen Belagerung von Damascus im Jahre 11 - 19 den verrätherischen Intriguen der Tempelherren schuld gegeben . Ferner sehen wir den Orden fast immer in Hader mit denjenigen Fürsten des fränkischen Palästina , die seinem allzu schnellen Wachsthum entgegen zu treten wagten oder auch nur die ihneu zugemuthete Förderung desselben zu verweigern den Muth hatten . Unleugbar ist es , dass der Tempelherren - Orden in seinem Verhalten gegenüber den mohamedanischcn Fürsten fast alle Zeit nur durch die Erwägung seines eigenen Vortheils bestimmt wurde , eiue billige Rücksichtnahme aber auf das Interesse der Christen insgesammt eigentlich niemals gekaunt hat : bringt es sein besonderer Vortheil so mit sich , so steht er keinen Augenblick an , in derselben Zeit , wo die gesaiumtc Christenheit zu einem neuen Glaubenskriege rüstet , mit den nischcn Fürsten einen Separatfrieden abzuschliessen ' ) und die schuldige Theilnahme an den allgemeinen Reichsheerfahrten in schnöder Selbstsucht kurzweg zu verweigern . * ) Und umgekehrt , meinten die Leiter des Ordeus , dass Krieg zu führen oder einen reiche Beute verheizenden Raubzug zu unternehmen ihrer Gemeinschaft augenblicklich Vortheil gewähre , so kümmerten sie sich nicht im Geringsten um die von dem schwachen König , den Grossen des Reichs und den anderen Orden eingegangenen Stillstände und Friedensehlüsse , sondern setzten die wüste Fehde auf eigunu Faust fort , unbekümmert um den schweren Nachtheil , welcher der Gu - samuilhcit daraus erwachsen mochte . Ganz besonders heftige Anklagen aber wurden gegen den längst unbeliebten und theils gehassten , theils ge - fürchtuten Orden aus Anlass einiger Vorfälle erhoben , wo derselbe sich einer geradezu gewaltsamen Durchkreuzung einer im Interesse der Kirche und der gesammten Christenheit dringend zu wünschenden Entwickelung
1 ) So z . Z . der Anwesenheit Ludwigs des Heiligen gegenüber dem Sultan von Damascu» » . Joiuvillc c . 511 fl " . ( p . 261 ed . de Wailly ) .
2 ) So 11C8 gegenüber Aegypteu . Guilelm . Tyr . XX , 5 .