Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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mehr übrig lassen. Es hält nicht schwur, aus den Geschichtschreibern
der Krcuzzüge ein förmliches Sündenregister zusammenzustellen, angesichts
dessen man die dem Tempelherren-Orden in Bezug auf diesen Puukt ge-
machten Vorwürfe als nur zu wohl begründet wird bezeichnen müssen.
Einstimmig fast machen die Zeitgenossen in erster Linie den Tempel-
herren-Orden verantwortlich für das klägliche Millingen der in dem
zweiten Kreuzzug von Deutschland und Frankreich aus mit bedeutenden
Mitteln unternommenen Expedition zur Sicherung des schwer gefährdeten
christlichen Reiches im Osten: insbesondere wird das Scheitern der mit
aller Aussicht auf Erfolg unternommenen Belagerung von Damascus im
Jahre 11-19 den verrätherischen Intriguen der Tempelherren schuld gegeben.
Ferner sehen wir den Orden fast immer in Hader mit denjenigen Fürsten
des fränkischen Palästina, die seinem allzu schnellen Wachsthum entgegen
zu treten wagten oder auch nur die ihneu zugemuthete Förderung desselben
zu verweigern den Muth hatten. Unleugbar ist es, dass der Tempelherren-
Orden in seinem Verhalten gegenüber den mohamedanischcn Fürsten fast
alle Zeit nur durch die Erwägung seines eigenen Vortheils bestimmt wurde,
eiue billige Rücksichtnahme aber auf das Interesse der Christen insgesammt
eigentlich niemals gekaunt hat: bringt es sein besonderer Vortheil so mit
sich, so steht er keinen Augenblick an, in derselben Zeit, wo die gesaiumtc
Christenheit zu einem neuen Glaubenskriege rüstet, mit den mohameda-
nischcn Fürsten einen Separatfrieden abzuschliessen ') und die schuldige
Theilnahme an den allgemeinen Reichsheerfahrten in schnöder Selbstsucht
kurzweg zu verweigern.*) Und umgekehrt, meinten die Leiter des Ordeus,
dass Krieg zu führen oder einen reiche Beute verheizenden Raubzug zu
unternehmen ihrer Gemeinschaft augenblicklich Vortheil gewähre, so
kümmerten sie sich nicht im Geringsten um die von dem schwachen
König, den Grossen des Reichs und den anderen Orden eingegangenen
Stillstände und Friedensehlüsse, sondern setzten die wüste Fehde auf eigunu
Faust fort, unbekümmert um den schweren Nachtheil, welcher der Gu-
samuilhcit daraus erwachsen mochte. Ganz besonders heftige Anklagen
aber wurden gegen den längst unbeliebten und theils gehassten, theils ge-
fürchtuten Orden aus Anlass einiger Vorfälle erhoben, wo derselbe sich
einer geradezu gewaltsamen Durchkreuzung einer im Interesse der Kirche
und der gesammten Christenheit dringend zu wünschenden Entwickelung
1) So z. Z. der Anwesenheit Ludwigs des Heiligen gegenüber dem Sultan von
Damascu» ». Joiuvillc c. 511 fl". (p. 261 ed. de Wailly).
2) So 11C8 gegenüber Aegypteu. Guilelm. Tyr. XX, 5.