Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
II.
Dunn darüber kann wohl kaum noch ein Zweifel obwalten, das» der
eigentliche und zunächst entscheidende Grund zu dem Sturze
des Tempelherren-Ordens in der politischen Stellung desselben
zu suchen ist. Denn durch die Art, in der er dieselbe gewonnen und
während eines Zeitraumes von fast zwei Jahrhunderten mit einer uuerbitt-
liehen, vor nichts zurückschreckenden Consequenz ausgebaut, entwickelt
und befestigt hatte, war der Tempelherren-Orden sehr bald nach dem Be-
ginn seiner rasch aufwärts führenden Laufbahn in eine ganz entschiedene
Opposition getreten zu den in den Kreuzzügen eigentlich leitenden und
tonangebenden Mächten.
Sehr früh verweltlicht, wurde der Tempelherren-Orden bald den Auf-
gaben ganz untreu, für deren Lösung er eigentlich gestiftet worden war,
deren Lösung vernachlässigen für ihn jedoch eigentlich nichts mehr uud
nichts weniger hicss als den vornehmsten Kechtstitel seiner ganzen Existenz
vor aller Welt preisgeben. Erfüllt von der Gier nach Besitz, ') welche
die in Syrien angesiedelten Franken überhaupt kennzeichnete, und in dem
rastlosen Jagen nach weltlicher Herrschaft ist der Tempelherren-Orden
offenbar schon sehr frühzeitig bemüht gewesen, Syrien möglichst aus-
schliesslich in seinen Besitz zu bringen; in dem Streben nach diesem
Ziele trat er allen denjenigen, welche in Palästina das allgemeine In-
teresse der ganzen Christenheit verfochten, mit rücksichtsloser Feindselig-
keit entgegen. Zum Erweis dieser schon von den Zeitgenossen offen
ausgesprochenen Anschuldigung dient ciiic lange Reihe durchaus be-
glaubigter Thataachen, welche an der bis zum Verrath an der christlichen
Sache sich verirrenden eigennützigen Politik des Ordens keinen Zweifel
1) Vgl. stia Verhalten vor Ascalon a. 1153 nach Guilclm. Tyr. XVII, 27
(p. 805/C) und Iteinaud, Extraits 101.