Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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Rohheit und immer nur lechzend nach Christenblut, gewannen diejenigen
Christen, welche denselben in offenem ritterlichem Kampfe entgegentraten,
schon von den ausserordentlich hohen kriegerischen Tugenden, von der
auch dem Christen Lob abnöthigenden Tapferkeit und von dem in den
Reihen der Streiter des Kreuzes nicht immer vorhandenen edlen ritterlichen
Sinn ihrer Gegner eine überraschend andere Vorstellung; in höherem Grade
noch war das bei denjenigen der. Fall, die in den Zeiten des Friedens mit
den wohlhabenderen, gebildeteren und gesellschaftlich höher gestellten
Kreisen der städtischen Bevölkerungen in den benachbarten mohameda-
nischen Staaten in nähere Berührung zu kommen Gelegenheit fanden:
diese mochten da nicht selten Eigenschaften linden, die sie in den äusserlich
entsprechenden Kreisen ihrer Glaubensgenossen vergeblich gesucht haben
würden. Jedenfalls ergab sich dem vorurteilslosen Beobachter aus der
einen wie" der andern Art des Verkehrs ein ganz anderes Bild von den
so verschrieenen Bekenuern des Islam. Mit der moralisch tief ver-
kommenen fränkischen Mischbevölkerung Syriens und Palästinas ver-
glichen, stand ohne Zweifel selbst der niedrig geborene Mohamedaner in
sittlicher Hinsicht nicht selten über dem Christen. Aus dieser Beobachtung
aber musstc sich für jeden, der nicht bloss an der Überfläche der Er-
scheinungen haftete, schliesslich mit Nothwendigkeit doch der Gedanke
ergeben, dass man also sittlich handeln und leben könne, ohne Christ zu
sein. Musste sich nicht so in weiteren Kreisen die Erkenntnis« Bahn
brechen, dass die religiösen Dogmen für die Sittlichkeit überhaupt gleich-
gültig seien? Und von da aus war dann nur noch ein Schritt zu thun zu
dem Entschlüsse, in dem Verhältniss zu dem bisher bekämpften Mohame-
daner den früher allein und ausschliesslich betonten religiösen Gesichts-
punkt überhaupt ganz bei Seite zu lasseu, auf die Christenthum und Islam
trennende historische Offenbarung gar kein Gewicht mehr zu legen, um
sich um so nachdrücklicher au die Gemeinsamkeit in der Religion des
Rechtthuns zu halten. ') Wer sich aber zu diesem Standpunkte erhoben
hatte, trat nicht bloss durch die Praxis des täglichen Lebens, sondern
auch den ersten grundlegenden Anschauungen nach in eiuen entschiedenen
Gegensatz zu der von Rom aus durch die ganze Welt verkündeten und
namentlich gerade im heiligen Laude besonders nachdrücklich verkündeten
liebre und Mahnung und schlug eine Richtung ein, die, wenn er sie nur
einigermaassen consequent verfolgte, ihn schliesslich zu einem unversöhn-
lichen Gegner des ganzen römischen Kircheuwesens machen inusste: eiit-
1) S. It eu 1er a. a. O.