Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
wie tief und nuchhaltig die von Palästina her dem Abendland zu Theil
gewordene Anregung gewesen, dos lassen noch heute die zahlreichen
Spuren orientalischer Entlehnungen erkennen, denen wir in der Tracht,
den Lebenseinrichtungen, in der Kunst, im Handel und im Gewerbe so
gut wie im Kriegswesen begeguen und die schon durch ihre dem Arabischen
entlehnte sprachliche Bezeichnung über ihren Ursprung keinen Zweifel
lassen können. •)
Nicht minder tiefgreifend aber uud nicht minder nachhaltig war die
Kin Wirkung, welche das christliche Abendland in Folge der Kreuzzüge
und durch die Vermittelung der in Palästina entstandenen „fränkischen"
Cultur voti dem reichen, ebenso mannigfaltig entwickelten wie tiefen uud
gehaltvollen geistigen Leben der Mohnmedaner Vorder-Asiens auf seine
eigene geistige Entwickelang ausüben sah. Ja, gerade auf diesem Gebiete
tritt die welthistorische Bedeutung der Kreuzzüge wohl am deutlichsten
erkennbar zu Tage.1) So leicht es aber ist, die Revolution, welche die
Kreuzzüge in dem geistigen Leben der abendländischen Völker erzeugt
haben, im Allgemeinen nachzuweisen, so schwierig, ja in mancher Rich-
tung unmöglich ist es, die Art und Weise, in der sich dieselbe vollzogen,
des Näheren darzuthun und die l'unkte bestimmt zu bezeichnen, in denen
ihre Wirkungen nls solche klar zu Tage treten.
Auch hier soll nun nicht der Versuch gemacht werden diesen grossen
und folgenschweren geistigen Umwälzungsprocess, in welchen die christ-
liehe Welt des Abendlandes durch die Kreuzzüge versetzt wurde, in seinem
Gesammtverlauf zu erfassen und zu verfolgen, so lockend trotz aller
Schwierigkeit die Aufgabe ist, in grossen Umrissen einmal zu zeigen, wie
die Kreuzzüge durch die von ihnen bewirkte Erweiterung des Gesichts-
kreises das Gemütli der abendländischen Völker machtvoll ergriffen und
ihre Phantasie zu üppigster Productivität befruchtet haben, wie diese
Wandelung sich überraschend schnell und ausdrucksvoll in einer tief-
gehenden Umgestaltung der abendländischen Poesie zu erkennen gegeben
hat, wobei es sich nicht bloss um die Umdichtung alter volksthümlicher
Stoße handeln, wobei vielmehr auch die noch nicht hinreichend erörterte
Frage zu untersuchen sein würde nach dem Einfluss, welchen die kunst-
reichen Formen der arabischen Poesie auf die Formen der abendländischen
Poesie ausgeübt haben. Hier soll es sich nur um die Untersuchung
1) Das Nähere r. a. a. O. S. 321 ff.
2) Vgl. im Allgemeinen diu Ausführung bei OvrvinuB, Geschichte der deut-
schen Dichtung I, 154.