Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
haben, da.s.s der Islam seinem Wesen nach ursprünglich dem Christenthum
nicht absolut feindlich gegenüber stand: das bewies und erklärte zugleich
der mächtige Einfluss, welchen die christliche Theologie auf die dogmatische
Gestaltung der jungen mohamedanischen Lehre geübt hat, dann ferner
die tiefgehende Einwirkung, welche die unfertige und doch gleich so
grossen Verhältnissen anzupassende sociale Verfassung der urabischen
Staaten von christlicher Seite her erfuhr; endlich musste iu dieser Richtung
auch wirken die auf allen Gebieten des ]¿ebciis gleich starke Aufnahme
christlicher Culturelemcnto in die erstaunlich schuell sich entwickelnde
arabische Cultur. Diesem Verhältniss entspricht es denn auch, dass bis
zu den Kreuzzügen hin ein principiell feindliches Verhältniss zwischen
Christen und Mohamedanern durchaus nicht nachweisbar ist. und zwar
auf dem religiösen Gebiete so wenig wie auf politischem und auf wirt-
schaftlichem. Vielmehr werden die Beziehungen zwischen Christen und
Mohamedanern bis zum Ausgange des eilfteu Jahrhunderts gekennzeichnet
durch religiös« Duldsamkeit, die wir nur in vereinzelten Ausnahmen von
der einen oder der anderen Seite verletzt sehen, durch gegenseitige An-
regung, durch Austausch nicht bloss der l'roducte, sondern auch der
Kenntnisse und Fertigkeiten und durch eine oft überraschend plnnmässigu
und wohlbereclmete Pflege der gemeinsamen politischen und wirtschaft-
lichen Interessen.
Erst durch die Kreuzzüge ist dieses gute Verhältniss gestört, — ja
mehr noch, ist dasselbe von Anfang an durch die ganze Art der von den
Christen begonnenen Kriegführung unheilbar vergütet worden. Weiterhin
aber hat sich das Eraukeuthuin, die in Palästina entstandene abendländische
Colonie, zu jeder höheren Entwickelung als durchaus unfähig erwiesen:
iu einer Raubwirthschaft sondergleichen haben die nach dem Osten ver-
schlagenen ritterlichen Abenteurer die Cultur des einst so herrlich blühenden
I^audes schnell und vollständig zu Grunde gerichtet. Ueberhaupt muss
man in Bezug auf die culturgeschichtlichen Wirkungen, welche von den
Kreuzzügen und der durch sie bewirkten Berührung und Mischung abeud-
ländisch-christlicher und morgenländisch-arabischer Zustände und Ein-
richtungen ausgingen, au der nur zu oft verkannten Thatsache festhalten,
dass die erobernden Christenschaaren au allgemeiner Cultur, wirtschaftlicher
sowohl wie geistiger, ihren mohamedauischeu Gegnern durchaus nach-
standen, ja im Vergleiche mit diesen in mehr als einer Hinsicht geradezu
als Barbaren bezeichnet werden konnten, dass daher von einem aus jenem
grossen Kampfe gemachten Gewinn nlleiu bei den Pranken, den Abend-
ländern. die Rede sein kann. Wie vielseitig derselbe gewesen, wie mächtig,