Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
/iw einer gerechten und erschöpfenden Würdigung der grossartigen
eulturgeschichtlichen Wirkungen, welche von den Kreuzzügen ausgegangen
sind, ist es vor allen Dingen unerläßlich, dass man sich frei halte von
den irrigen Vorstellungen, welche über das Verhültniss von Islam und
Christenthum die gewöhnlich herrschenden geworden sind — Vorstellungen,
welche die zu leidenschaftlichem Fanatismus gesteigerte Erbitterung wider-
spiegeln, die sich in einem zwei Jahrhunderte hindurch geführten Glaubens-
kriege der streitenden Tlieile unvermeidlich bemächtigen musate, über
welcher man aber schliesslich vollkommen vergass, dass man einst in einem
ganz anderen Verhültniss, dem der Duldsamkeit, des freundschaftlichen
Verkehrs, der gegenseitigen Anregung und Förderung gestanden hatte,
und daher endlich auch all das zu übersehen sich gewöhnte, was ciueui
von jener friedlicheren Zeit her in den verschiedensten Gebieten des Lebens
gemeinsam geblieben war. Die tödtliche Feindschaft, welche wir heutigen-
tags zwischen Christen und Moliamcdanerii herrschen sehen und die ein
machtvoll wirkender Factor in der grossen Politik der Gegenwart geworden
ist, erscheint bei näherer Betrachtung durchaus nicht als eine von den
Ursachen, aus denen der in den Kreuzzügeu erfolgte grosse Zusammen-
stoß zwischen dem christlichen Abendlande und dem islamitischen Orient
hervorgegangen ist, sondern als erst hervorgewachsen aus jenem grossen
Religionskriege und als das verhängnissvollste der vielen traurigen Er-
gebnisse, welche die gewöhnlich in falscher Romantik allzu günstig bc-
urtheilten Kreuzzüge zu Tage gefördert hatten.
An einer anderen Stelle') glaube ich den Beweis dafür erbracht zu
1) Historisches Taschenbuch 1878: „Chris tenthum und Islam im Mittelalter und
die culturgeschichtlichen Ergebnisse der Kreuzzflgo.-
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