/ iw einer gerechten und erschöpfenden Würdigung der grossartigen eulturgeschichtlichen Wirkungen , welche von den Kreuzzügen ausgegangen sind , ist es vor allen Dingen unerläßlich , dass man sich frei halte von den irrigen Vorstellungen , welche über das Verhültniss von Islam und Christenthum die gewöhnlich herrschenden geworden sind — Vorstellungen , welche die zu leidenschaftlichem Fanatismus gesteigerte Erbitterung spiegeln , die sich in einem zwei Jahrhunderte hindurch geführten kriege der streitenden Tlieile unvermeidlich bemächtigen musate , über welcher man aber schliesslich vollkommen vergass , dass man einst in einem ganz anderen Verhültniss , dem der Duldsamkeit , des freundschaftlichen Verkehrs , der gegenseitigen Anregung und Förderung gestanden hatte , und daher endlich auch all das zu übersehen sich gewöhnte , was ciueui von jener friedlicheren Zeit her in den verschiedensten Gebieten des Lebens gemeinsam geblieben war . Die tödtliche Feindschaft , welche wir tags zwischen Christen und Moliamcdanerii herrschen sehen und die ein machtvoll wirkender Factor in der grossen Politik der Gegenwart geworden ist , erscheint bei näherer Betrachtung durchaus nicht als eine von den Ursachen , aus denen der in den Kreuzzügeu erfolgte grosse stoß zwischen dem christlichen Abendlande und dem islamitischen Orient hervorgegangen ist , sondern als erst hervorgewachsen aus jenem grossen Religionskriege und als das verhängnissvollste der vielen traurigen gebnisse , welche die gewöhnlich in falscher Romantik allzu günstig bc - urtheilten Kreuzzüge zu Tage gefördert hatten .
An einer anderen Stelle' ) glaube ich den Beweis dafür erbracht zu
1 ) Historisches Taschenbuch 1878 : „ Chris tenthum und Islam im Mittelalter und die culturgeschichtlichen Ergebnisse der Kreuzzflgo . -
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