Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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gehabt habe; weiterhin aber weichen Hie dann von einander ab: denn bald
soll der Kopf ein bärtiges Gesicht, bald ein jugendliches bartloses gehabt
haben; nach Anderen war er mit zwei, ') nach Einigen endlich gar mit drei
Gesichtern versehen.5) Diese Verschiedenheiten fallen nicht bedeutend in
das Gewicht. Denn ähnliche Darstellungen linden wir bei mehreren
der katharischen Secteil, die mit den Tempelherren auf demselben Hoden
des Dualismus stehen — die Bogomilcn z. Ii., welche, von den Eucheten
oder Enthusiasten herstammend, als die nächsten Verwandten gewisser-
maasscn der Luciferianer gelten können, stellten den allein von ihnen an-
gebeteten verstossenen Sohn Gottes dar als im Uebergange vom Jüngling
zum Mann, mit dem sprossendem Barte. Gott Vater dagegen als einen
Greis mit lang herabwallendem Harte. Noch sonderbarere Gebräuche
linden wir bei den ebenfalls stark von der luciferianischen Ketzerei bevin-
ilussten Stedingern: auch sie verehren bei ihren nächtlichen Zusammen-
künften den unteren Gott unter der Gestalt eines Idols; dasselbe war hohl
und durch einen «Mechanismus öffnete es sich in dem gegebenen Momente,
und aus seinem Inuern sprang eine Katze den Andächtigen entgegen ») —
das Thier, welches bekanntlich während des Mittelalters als die eigentliche
Verkörperung des Teufels galt. Dieser Thatsache gegenüber kann es
Einen nicht Wunder nehmen, dass mau schon von Seiten der Inquirente-li
dem Idole der Tempelherren einen ähnlichen Inhalt zu geben versucht hat.
Im Uebrigen scheint dieser Idolcultus förmlich organisirt gewesen zu
sein, insofern nämlich, als in den Haupthäusern des Ordens auch die
Ilauptidole, ') d. h. die für besonders mächtig und wirksam gehaltenen,
comme lu clarté «lu ciel; et pour voir, toute lour foy estoit en ¡celle et entölt leur
dieu souverain--et ea celle pel avoit moitié barbe au visage et l'autre moitié
au cul, dont c'esloit contraire chose.
1) So z. It. Concil. Brit. II, 358 — quod quidam templarías hahebut quod-
dam caput aeneiim bifrous in custodia et dieebat, quod illud respondebat ad omnia
interrogata.
2) Einmal scheint das Idol auch die Gestalt eines Menschen gehabt zu haben:
Concil. H rit. II, 362: — et aperto quodam armariolo parietis extraxerunt quan-
t dam tigtirum nigram oculis Iucentibiis et quondam cru ceni et posuerunt crticcm in
praesentia magistri et culum idoli vel tigurae posuerunt super crticcm, et post iiniis
Templarins recepii Imaginem illum et portavit magistro et dictus magistcr osculatus
fuit in ano dictam imuginem et post omnes alit seriatim.
3) Vgl. die Bulle P. Gregors IX. bei Kaynaid, Annules ecclesiast. XIII, 447
a. 1223.
4) Concil. Brit. II, 363 kennt Johann v. Donyngton (75. Zeuge) quatuor
idola principulia in Anglia, unum videlicet London in Tempio in sacristana,
aliud apud Bytelcsham, tcrtium apud Brueram titra Lincoln et quartum ultra Hum-