Titel:
Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherren-Ordens
Beteiligte Personen:
Prutz, Hans Wikipedia
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sprechend in den drei Küssen nicht einen Ausdruck dieses ganzen Systems
sehen, insofern als der Kuss auf den Mund, den geistigen Theil des
Menschen, eine Huldigung ist, die dem oberen Gott, dem Schöpfer des
Geistes, dargebracht wird, während der Kuss auf das Wirbelsäulenende ')
dem Körper, der Schöpfung Lucifere und damit diesem selbst gilt, der
Kuss auf den Nabel aber gewissermaassen die Grenze bezeichnen uud an-
erkennen soll zwischen den beiden Heichen des oberen und des unteren
Gottes, zwischen dem geistigen und dem rein materiellen Theil des mensch-
lichen Körpers?*) Ein bestimmter Beweis für die Richtigkeit dieser Deutung
lässt sich allerdings nicht erbringen, dass dieselbe jedoch viel innere
Wahrscheinlichkeit hat und in das ganze häretische System, um das es
sicli hier handelt, vortrefflich passt, wird niemand in Abrede stellen
wollen. —
Es bleibt schliesslich noch ein I'uukt einer genaueren Betrachtung zu
unterziehen, nämlich dus von den Tempelherren erwieseuerinaassen
bei ihren geheimen Zusammenkünften angebetete Idol. Dass
wir in demselben zunächst eine bildliche Darstellung des unteren
Gottes, des Schöpfers der Materie und des Bösen, zugleich aber
auch des dein Orden so günstig gewesenen Herrn über die Schätze
dieser Welt zu erblicken haben, ist wohl durch das früher hierüber
Mitgetheilte zur Genüge erwiesen, und wir brauchen hier nicht noch des
Näheren einzugehen auf die theils ganz gewaltsamen, theils geradezu aben-
teuerlichen Deutungsversuche, die daran gemacht worden sind.3) Was das
Idol vorstelleu sollte, wissen wir; unter welcher Gestalt es den unteren
Gott dem Mciischeiiaugc anschaulich machte, geht aus den darauf bezüg-
lichen Aussagen der Zeugen ebenfalls mit Gewissheit hervor. Dariu
nämlich sind die Berichte einig, dass das Idol, aus Metall gefertigt, nicht
selten mit Gold geziert.') die Gestalt eines menschlichen Kopfes
1) .In line spinae dorsi" ist der übliche Ausdruck in den Processarteli.
2) So deutet die Cérémonie Loi se leur 1-ÍG.
U) Dieselben widerlegt zu hüben, ist ein Ilauptverdienst Loiscleurs. Der
Wahrheit sehr nahe kaiu übrigens schon die Bemerkung bei G ro uve Ilo 95—DO,
.L'adoration d'une tête comme idole est sortie de l'idée de l'adoration du
«lia ble."
4) Loiseleur 192: Quod erut de metallo et hubebut fa clem quasi humanuni,
capillos nigros et criepos et non recordatur quod liubuerat barbam; circa Collum
uutem et gulum habebat dcauratu. Vgl. auch Chroniques de ij. Denis ed. 1'.
l'ari» V, 188: Adecenes icelle ydolc estoit un viel pel d'omme einbasmée et de
toile polie--eu en icelle «voit es fosses des ieux escharboucles rehiisaus ainsi