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sprechend in den drei Küssen nicht einen Ausdruck dieses ganzen Systems sehen , insofern als der Kuss auf den Mund , den geistigen Theil des Menschen , eine Huldigung ist , die dem oberen Gott , dem Schöpfer des Geistes , dargebracht wird , während der Kuss auf das Wirbelsäulenende ' ) dem Körper , der Schöpfung Lucifere und damit diesem selbst gilt , der Kuss auf den Nabel aber gewissermaassen die Grenze bezeichnen uud erkennen soll zwischen den beiden Heichen des oberen und des unteren Gottes , zwischen dem geistigen und dem rein materiellen Theil des lichen Körpers ? * ) Ein bestimmter Beweis für die Richtigkeit dieser Deutung lässt sich allerdings nicht erbringen , dass dieselbe jedoch viel innere Wahrscheinlichkeit hat und in das ganze häretische System , um das es sicli hier handelt , vortrefflich passt , wird niemand in Abrede stellen wollen . —
Es bleibt schliesslich noch ein I'uukt einer genaueren Betrachtung zu unterziehen , nämlich dus von den Tempelherren erwieseuerinaassen bei ihren geheimen Zusammenkünften angebetete Idol . Dass wir in demselben zunächst eine bildliche Darstellung des unteren Gottes , des Schöpfers der Materie und des Bösen , zugleich aber auch des dein Orden so günstig gewesenen Herrn über die Schätze dieser Welt zu erblicken haben , ist wohl durch das früher hierüber Mitgetheilte zur Genüge erwiesen , und wir brauchen hier nicht noch des Näheren einzugehen auf die theils ganz gewaltsamen , theils geradezu teuerlichen Deutungsversuche , die daran gemacht worden sind . 3 ) Was das Idol vorstelleu sollte , wissen wir ; unter welcher Gestalt es den unteren Gott dem Mciischeiiaugc anschaulich machte , geht aus den darauf lichen Aussagen der Zeugen ebenfalls mit Gewissheit hervor . Dariu nämlich sind die Berichte einig , dass das Idol , aus Metall gefertigt , nicht selten mit Gold geziert . ' ) die Gestalt eines menschlichen Kopfes
1 ) . In line spinae dorsi " ist der übliche Ausdruck in den Processarteli .
2 ) So deutet die Cérémonie Loi se leur 1 - ÍG .
U ) Dieselben widerlegt zu hüben , ist ein Ilauptverdienst Loiscleurs . Der Wahrheit sehr nahe kaiu übrigens schon die Bemerkung bei G ro uve Ilo 95—DO , . L'adoration d'une tête comme idole est sortie de l'idée de l'adoration du «lia ble . "
4 ) Loiseleur 192 : Quod erut de metallo et hubebut fa clem quasi humanuni , capillos nigros et criepos et non recordatur quod liubuerat barbam ; circa Collum uutem et gulum habebat dcauratu . Vgl . auch Chroniques de ij . Denis ed . 1' . l'ari» V , 188 : Adecenes icelle ydolc estoit un viel pel d'omme einbasmée et de toile polie eu en icelle «voit es fosses des ieux escharboucles rehiisaus ainsi